Die 15 wichtigsten Kleidungsstücke und Utensilien zur Arbeitssicherheit
Arbeitssicherheit bzw. Arbeitsschutz wird in vielen Bereichen – insbesondere im privaten Hobbybereich – oft vernachlässigt. Dabei können mit Hilfe weniger Hilfsmittel schon schwere Verletzungen im Fall der Fälle verhindert oder zumindest minimiert werden. Viele der genannten Utensilien sind preiswert im Fachhandel zu erwerben. Doch sollte immer genau betrachtet werden, ob die Normen des Arbeitsschutzes, wie sie Berufsgenossenschaften definieren, eingehalten werden.
Sicherheitsschuhe/Sicherheitsstiefel
Ohne sie geht in vielen Berufen in Industrie und Handwerk gar nichts, und selbst Privatleute sollten die Option ins Auge fassen, ihre Zehen zu schützen, wenn sie am Eigenheim herumbasteln, auch wenn nicht unbedingt jeder einen Sicherheitsschuh mit Stahlsohle benötigt: Die Anforderungen für Sicherheitsschuhe bzw. Sicherheitsstiefel sind von den Berufsgenossenschaften in der Regel für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit 191 bzw. GUV-R 191 in mehreren Kategorien zusammengefasst, die von SB (Grundanforderungen) über S1 (Zusatzanforderungen Antistatik, Öl- und Benzinresistenz, Fersenbereichsenergieaufnahme) bis hin zu S5 (zusätzliche Trittsicherheit) reichen und zu denen weitere Zusatzanforderungen (z.B. Kälteisolierung, Hitzeisolierung oder Rutschhemmung etc.) definiert sind. Es gilt also, den genauen Einsatzzweck festzustellen und danach die richtige Art von Sicherheitsschuh bzw. Sicherheitsstiefel auszusuchen. Z.B. bietet ein S3-Schuhe bereits eine große Bandbreite an Sicherheit.
Schutzbrille – Augenschutz
Vorbei sind die Zeiten, in denen klobige, unförmige Brillen den Arbeitsalltag in Industrie und Handwerk bestimmten. Wenn nicht gerade Extremstanforderungen ans Material gestellt werden, beispielsweise bei der Kleidung für Stahlkocher, dann zeigen moderne Schutzbrillen, dass sie inzwischen nicht nur die Funktion des Augenschutzes erfüllen, sondern darüber hinaus auch modische Akzente setzen können.
Helm – Kopfschutz
Alles Gute kommt von oben? Bauarbeiter können da ein ganz anderes Lied singen, denn oft genug kommt gar nichts Gutes von oben. Deshalb wird auf der Baustelle Helm getragen. Und wirklich jeder, der die Baustelle betritt, sollte dem Beispiel folgen. Die Wahl des richtigen Helms ist nicht einfach nur eine Größenfrage (passen sollte er schon, aber es gibt auch andere Anforderungen des Arbeitsschutzes): Beispielsweise können Elektriker auf dem Bau oder bei der Arbeit in elektrischen Anlagen auf Industrieschutzhelme aus thermoplastischen Kunststoffen, z. B. Polyethylen, zurückgreifen, die sehr gute isolierende Eigenschaften aufweisen – oder aber auf hitzebeständige Industrieschutzhelme aus duroplastischen Materialien. Der eine bietet elektrische Isolierung, der andere ist hitzebeständig, aber nicht nennenswert elektrisch isolierend, was im Falle eines Störlichtbogens und dessen enormer Hitzeentwicklung durchaus eine Daseinsfrage stellen kann…
Ohrenschutz
Wenn’s mal wieder laut wird: Die meisten unterschätzen die Wirkung lauter Geräusche auf das Gehör. Warum auch nicht? Die Folgen werden meist erst im Alter akut, und in jungen Jahren wird ein „bisschen Pfeifen“ als nicht weiter tragisch empfunden. Wenn das Pfeifen im Ohr irgendwann chronisch wird und tagtäglich nervt, wünscht man sich, man hätte vielleicht doch bei der Arbeit einen Ohrenschutz getragen (oder den MP3-Player etwas leiser geschaltet). Die Bandbreite des Gehörschutzes reicht von einfachen Ohrstöpseln bis hin zum Ohrenschutz in Form von Kapselgehörschützern. Auch Brillenträger und Arbeitnehmer mit Helmpflicht greifen gern auf diesen Kapselgehörschutz zurück, denn neuere Modelle sind mit Einstellpunkten für individuelles Anpassen ausgestattet. Dazu bieten sie meist weich gepolsterte Bügel und Nackenbänder, mehrere Modelle lasse sich zudem platzsparend zusammenschieben und hygienisch aufbewahren. Fazit: Im Arbeitsschutz gibt’s gut was auf die Ohren.
Arbeitshose
Der „Blaumann“ scheint ausgedient zu haben. Längst hat modernes Design und eine neue Sicht auf die Funktionalitäten einer Arbeitshose das Aussehen der Arbeitskleidung geändert. Es gibt eine größere Auswahl an Farben, zusätzlich sind für unterschiedliche Branchen unterschiedliche Ausarbeitungen zu finden. So ist die Dachdeckerhose gründlich anders als eine herkömmliche Arbeitslatzhose. Es gibt Arbeitshosen, die bereits Knieschutz oder wattierte Stellen eingearbeitet haben. In jedem Fall ist es ratsam, die Arbeitshose nach der Funktion und der Qualität auszusuchen. Was vielen nicht bewusst ist: Oftmals sind ehemalige Hersteller von Arbeitskleidung heute gefragte Design-Modemarken, z.B. Dockers oder Dickies.
Schnittschutzkleidung
Im Forstbereich bestehen besondere Anforderungen an die Berufskleidung, und der Arbeitsschutz bzw. die Arbeitssicherheit ist besonderen Regeln unterworfen. Bei der Nutzung der Arbeitsgeräte lauern große Gefahren, z.B. für die Augen bei der Nutzung von Motorsägen oder Hächslern. Da aber insbesondere die Gefahr von schweren Verletzungen von Motorsägen und Beilen droht, muss die Kleidung einen besonderen Schnittschutz aufweisen. Vorderbeinschutz, Ringsumbeinschutz bzw. komplette Schnittschutzhose gehören zu den Standards nach DIN EN 381, Schutzhelm mit Visier und Gehörschutz gehört nach DIN EN 397 ebenso dazu, und Schutzhandschuhe sollte wegen des besseren Griffs und der Ermüdung beim längeren Halten stark vibrierender Arbeitsgeräte eine Selbstverständlichkeit sein.
Atemschutz
Atemschutz innerhalb der Arbeitssicherheit wird nach strengen Grenzwerten an Schadstoffen und deren Konzentrationen (MAK-Werte) definiert. Die eingesetzten Atemschutzgeräte und Atemschutzmasken müssen den jeweiligen Anforderungen hinsichtlich Schadstoff und dessen Konzentration entsprechen. 2001 wurde die ursprüngliche Schutznorm EN149:1991 revidiert und in der EN149:2001 neu formuliert. Was ist eigentlich der Unterschied zwischen beiden Normen? Im Prinzip fasst die neue Norm die Kategorien S und SL zusammen und bietet jetzt die Schutzstufen FFP1, FFP2, FFP3 zum Schutz vor Stäuben, Rauch und wässrigen Aerosolen sowie Ölnebel (vergleichbar zu den früheren Schutzstufen P2SL und P3SL). Dies stellt eine Präzisierung dar, die aber in den meisten Arbeitsbereichen kaum benötigt wird, da auch weiterhin Masken nach EN149:1991 zertifiziert sind und keine gesetzliche Austauschpflicht besteht, wenn lediglich ein Schutz gegen Stäube, Rauch und Aerosole auf Wasserbasis (ehemalige Kategorie S) vorgeschrieben war. Deshalb werden im Bereich des Atemschutzes Produkten gemäß beider Normen im Sortiment geführt.
Warnschutz
Warnschutz ist Arbeitsschutz: Es kommt nicht so sehr darauf an, zu sehen, sondern vielmehr darauf, gesehen zu werden. Neben leuchtenden Signalfarben sollte darauf geachtet werden, dass so genannte Reflektorstreifen auf den Warnschutzwesten und Warnschutzjacken vorhanden sind. Diese Reflektorstreifen sollten keinesfalls abgenutzt sein oder verdeckt werden durch andere Kleidungsstücke oder Rucksäcke oder ähnliches.
Handcreme
Keine Kosmetik, sondern Arbeitsschutz: Oftmals unterschätzt (oder abgetan als “Mädchen”- oder “Weicheier”-Creme) wird die Wirkung von Pflegecremes, die besonders wichtig sind für beanspruchte Hautpartien. Nicht nur im Handwerk oder auf dem Bau, sondern grundsätzlich dort, wo mit der Hand gearbeitet wird, sollte über schnell einziehende Schutz- und Pflegecremes die Abwehrfunktion der Haut gestärkt werden, damit sich die Zellstruktur der gereizten Haut für den nächsten Arbeitstag schnell wieder normalisiert. Ebenso wichtig: Handwaschpaste, um stark verschmutzte Hände von Öl, Fett, Teer und Wachs, aber auch von Farb-, Lack- und Kunstharz-Verschmutzungen zu befreien. Oder auch: Das unvermeidliche pr88, auf das viele in Industrie und Handwerk schwören.
Handschuhe
Nicht nur im Winter, wenn es schneit: Arbeitsschutz an den Händen hat immer Saison. Schutzhandschuhe gibt es für viele Branchen und Tätigkeiten: Der Kettenhandschuh für Metzger und Koch ist naturgegeben etwas anderes als der Lederhandschuh für den Gärtner. Oder der Schnittschutzhandschuh für den Waldarbeiter (Schutzhandschuhe nach DIN EN 388), wie er in der Unfallverhütungsvorschrift “Forsten” (GUV-V C51, bisher GUV 1.13) festgelegt wurde. Es ist natürlich immer auf die Qualität des Materials zu achten, z.B. wie die Widerstandsfähigkeit oder die Belastung durch Giftstoffe (manche Billigheimer unter den Arbeitschutz-Handschuhen haben durch ihre hohe Belastung mit Schadstoffen traurige Berühmtheit erlangt).
Erste-Hilfe-Koffer
Shit happens. Leider zu oft, und immer dann, wenn man es gar nicht brauchen kann. Darum sieht der gewerbliche Arbeitsschutz gesetzlich vor, dass an jedem Arbeitsplatz ein vollständig bestückter Erste-Hilfe-Kasten bzw. Erste-Hilfe-Koffer vorhanden und schnell erreichbar ist. Beispielsweise sehen die Vorschriften (z.B. die Verordnung über Arbeitsstätten, ArbStättV, oder die Unfallverhütungsvorschrift „Grundsätze der Prävention“ bzw. BGV A1) im gewerblichen Bereich des Arbeitsschutzes vor, dass je nach Art des Betriebs und der Mitarbeiterzahl verschiedene Verbandkästen vorgehalten werden müssen. Was in einem Erste-Hilfe-Koffer bzw. Verbandskasten drin sein muss, schreiben die Normblätter „Erste-Hilfe-Material – Verbandkasten C DIN 13157“ und „Erste-Hilfe-Material – Verbandkasten E DIN 13169“ vor.
Rückenstützgürtel
Schäden durch Dauerbelastung sind bei Menschen, die oft mit schweren Gewichten arbeiten, leider vorprogrammiert. Durch eine gleichmäßige Stützung des unteren Rückenbereichs und des Unterleibs kann diese Belastung minimiert werden, ohne die Bewegungsfreiheit einzuschränken – dafür sorgen elastische Bänder und eine Hosenträger-Halterung mit Haftverschluss, die zusätzlich durch Verstellbarkeit für einen guten Sitz sorgt. Das Material besteht aus elastischem Nylongewebe.
Absturzsicherung
Nicht nur für all diejenigen, die in „schwindelnde Höhen“ aufbrechen: Arbeitsschutz beginnt schon bei wenigen Metern Höhe. Eine Absicherung absturzgefährdeter Bereiche durch Vorrichtungen zur Personensicherung gegen Absturz (Anseilschutz) ist in vielen Bereichen zwingend vorgeschrieben. Dazu gehören horizontale Seilsicherungssysteme (nicht überfahrbahr oder mit überfahrbaren Gleitern), Personensicherungsgeländer oder Fallschutznetze.
Knieschoner
Schon der jüngste Skater weiß, was er sich antun kann, wenn er auf Knieschoner verzichtet. Beschäftigte in Industrie und Handwerk sollten ebenfalls wissen, was sie an diesem Arbeitsschutz haben: Heutzutage werden Knieschoner aus leichten Materialien hergestellt und zum bequemen Tragen mit breiten, elastischen, weitenverstellbaren Befestigungsriemen angeboten. Die äußere Schutzkappe ist mit besonderen widerstandsfähigen Stoffen (z.B. Polyethylen) versehen. Der Clou bei den neueren Knieschonern: Die inneren Gel-Einlagen passen sich der Knieform des Trägers an, was nicht nur das Tragen bequemer macht, sondern auch dem Kniegelenk gut tut.
Hand- und Ellenbogenbandagen
Wie Knieschoner sind Hand- und Ellenbogenbandagen wichtige Utensilien des Arbeitsschutzes bzw. der Arbeitssicherheit, wobei sie einem doppelten Zweck dienen: Einerseits sollen sie Verletzungen von Hand bzw. Ellenbogen verhindern, andererseits können sie bei Vorschädigung des jeweiligen Körperteils stützend wirken und eine Heilung fördern. Sie dienen also sowohl der Prävention als auch der Therapie.
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Tags: Arbeitssicherheit, Bereich Beruf, Die 15 wichtigsten, Kleidung, Unfallschutz
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Kommentare (2)
Ein sehr verantwortungsvolles Thema. Zu schade, dass in vielen Betrieben das Thema Arbeitssicherheit vernachlässigt. Besonders schlimm dabei, dass sich Unternehmen zwar oft um die Sicherheit ihrer Festangestellten sorgen und mit ihnen Arbeitsschutzmaßnahmen praktizieren, aber im täglichen Umgang mit Zeitarbeitskräften wird das sehr oft vernachlässigt. Nicht nur bedauerlich, sondern gemeingefährlich bis verantwortungslos.
Die Verantwortung für Zeitarbeitskräfte liegt auf Seiten des Zeitarbeitsunternehmen (Verankert im Arbeitnehmer Überlassungsgesetz) Das heißt, keine Zeitarbeiter dürfte Überlassen werden. Wenn das Zeitarbeitsunternehmen im Vorweg nicht die Arbeitssicherheitseinrichtungen des Unternehmen welches Zeitarbeitskräfte einsetzt geprüft und den Zeitarbeitnehmer über diese informiert hat. In der Praxis ist der Überlasser aber froh wenn er seine Leute im Einsatz hat und seinen Kunden keine Absage auf Grund von Arbeitsschutzmägel erteilen muss. (Wo zu er verpflichtet wäre, sobald Mängel erkennbar sind)