Die 15 besten Klavierspieler der Welt

Zum Glück hat sich wahre Kunstfertigkeit über all die Jahrhunderte bis heute etwas erhalten: Sie leitet sich von Können ab, nicht etwa von Konsum oder Konkurrenz. Überall gibt es fixierte, auf Erfolgsfaktoren festgelegte Rangskalen, die „den besten Superstar Deutschlands“ etwa oder das beste Multitalent mit scheinbarer Nachvollziehbarkeit küren. Vorreiter war natürlich seit 1956 der Europäische Song-Contest, der jährlich die besten Sänger(gruppen) in abfallender qualitativer Reihenfolge aufzählt.

Doch wie Sie wissen – bei keiner dieser Veranstaltungen geht es wirklich um Musik. Es ging um Werbung, Länder, Mehreinnahmen. Es ging um Juroren, Spielregeln und Spaß, der Freude, dabeizusein und dem Fang nach Fans und Zuschauerstatistiken.

Komposition, Klavier und Konzertpianisten erhielten nie Punktzahlen. Sondern Interpretation und Innigkeit, Lernbereitschaft und Leidenschaft werden zu Musikalität.

Doch zu welcher? Meint man die Kreativität eines Mozarts oder die Emotionalität eines Chopins? Spricht man von der Sensibilität eines Sommerfelds zu Stummfilmzeiten? Oder meint man Ray Charles? Schon sehen Sie, daß es „den Klavierspieler“ nicht geben kann. Und schon gar nicht „die 15 besten“ – weder im Spiegel der Geschichte, schon gar nicht zur selben Zeit – sondern jeder in seinem Fach oder in mehreren, man erinnere Bernstein und Gould, beide brillierten auch mit Bach. Oder versucht man verzweifelt, das Erbe der Bedeutung, die Horowitz hinterließ, zwischen Lang-Lang und Marc-André Hamelin aufzuteilen? Inwiefern lassen sich überhaupt westliche Musikerziehung mit asiatischem Tastendrill auch nur annähernd vergleichen?

Sie sehen, eine Überschrift wie oben läßt sich nur ironisch verstehen. Es gab sie nie, die 15 Besten. Sondern wenn, dann nur als Absolventen der Rubinstein-Akademie, des Mozarteum Salzburg oder der Königlichen Musikhochschule Madrid. Aber nie die der Welt. Anders wäre es, würde man 30 Jazz-Pianisten überraschend mit demselben Stück einem Wettbewerb unterziehen und daraus die 15 besten Klavierspieler küren.
Sondern es gilt: das künstlerische Maß, die persönliche Vereinigung mit dem Instrument kann nur individuell ein Produkt sein vom Eintrittsalter des Pianisten in den ersten Klavierunterricht, dem Talent zu einem bestimmten Genre, der Ausbildung in diesem oder der Hinwendung zu noch einem anderen dazu und den konkreten Anforderungen des Alltags als Auftrittspianist in der Kammermusik, dem Symphoniekonzert oder des klassischen Barpianisten. Und ein jeder ist Spezialist seines konkreten Fachs: alle verwendet das Klavier lediglich eher zufällig.

So gesehen kann es manche geben, für die das experimentelle und ergiebige Spiel eines Ernst Horn seit Jahrhunderten auf der persönlichen Rangliste steht. Oder die Improvisationskomposition eines Ken Medema.

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